

Heute erzählt uns unsere Cesarina Francesca aus Civitavecchia eine faszinierende Geschichte – die Geschichte eines ganz besonderen Gerichts: Spaghetti in Zitronenwasser.
Dieses Rezept vermag es trotz seiner äußersten Schlichtheit, eine Mahlzeit in ein überraschendes Erlebnis zu verwandeln, das selbst anspruchsvollste Gaumen begeistert.
„Dieses Rezept habe ich von meinem Onkel übernommen, der im Leben weit mehr getan hat als nur zu kochen. In meiner mütterlichen Familie wurde und wird noch heute Koralle verarbeitet, und er pflegte jahrelang Beziehungen zu Japan, bis er der kaiserlichen Familie so nahe stand, dass er häufig eingeladen wurde. Er war ein praktischer Mann, aber mit sehr feinem Geschmack. Zwischen Teezeremonien, Kunsthandwerk und fernen Bräuchen bereitete er für sie diese typisch neapolitanische Pasta zu. Er sagte, sie seien immer wieder erstaunt gewesen. Spaghetti an sich liebten sie ohnehin. Doch was besonders beeindruckte – vor allem Kaiserin Kōjun – war die Infusion aus Zitronenschale, die über Nacht im Kochwasser ruhte: Sie verleiht dem Gericht Duft, ohne es zu überdecken, und schenkt ihm einen goldenen Schimmer, wie Licht. Heute weiß ich, dass ein Sternekoch dieses Rezept in sein Restaurant gebracht hat, doch wir zu Hause haben es schon lange zuvor zubereitet. Ich mache es noch immer genauso: Wasser mit stundenlang eingelegten Schalen, Spaghetti (am liebsten handgemacht), natives Olivenöl extra und zum Schluss eine Prise Provolone del Monaco. Jedes Mal zaubert der Duft dieses Gerichts ein Lächeln auf die Gesichter – selbst bei denen, die nie in Japan waren.“

Spaghetti in Zitronenwasser verkörpern die Philosophie der kampanischen Küche: wenige, sorgfältig ausgewählte Zutaten, meisterhaft kombiniert, um den natürlichen Geschmack jedes Elements hervorzuheben. Dieses Rezept zeigt, dass mit Hingabe und Respekt vor der Tradition selbst Einfachheit zu Poesie auf dem Teller werden kann.
In Kampanien ist die Verwendung von Zitronen in der Küche weit verbreitet – nicht nur wegen ihres Dufts und ihrer ausgewogenen Säure, sondern auch, weil sie ein Identitätssymbol dieser Region sind. Dieses Rezept ist das perfekte Beispiel: schlicht, raffiniert und tief in der Region verwurzelt.
Ein weiterer typischer Bestandteil dieses ersten Gangs ist der Provolone del Monaco. Dieser kampanische Käse verdankt seinen Namen den Mänteln, die Käser früher trugen, um Zölle zu umgehen und dabei Mönchen zu ähneln. Mit seinem frischen, leicht pikanten Geschmack und seiner cremigen Konsistenz eignet er sich ideal, um das Gericht harmonisch und charaktervoll zu vollenden.

Spaghetti in Zitronenwasser
Ein Gleichgewicht aus Schlichtheit und Geschmack, in dem sich das authentische Aroma Kampaniens zwischen Zitrusfrüchten und regionalen Käsesorten entfaltet
Zutaten
- 320 g Spaghetti
- Schale von 2 unbehandelten Zitronen (nur der gelbe Teil)
- Salz nach Geschmack
- Natives Olivenöl extra
- Geriebener Provolone del Monaco
- (Optional) Minze oder Zitronenzeste zur Dekoration
Zubereitung
- Am Vorabend 2 Liter Wasser mit der gesamten Zitronenschale (nur der gelbe Teil) von zwei unbehandelten Zitronen in einem Topf ziehen lassen.
- Abdecken und über Nacht bei Raumtemperatur stehen lassen.
- Am nächsten Tag das gefilterte Wasser zum Kochen bringen (für intensiveres Aroma kann eine Schale mitgekocht werden) und salzen.
- Die Spaghetti darin wie in normalem Salzwasser kochen.
- Sobald sie al dente sind, abgießen und eine Kelle Kochwasser aufbewahren.
- Sofort mit nativem Olivenöl extra vermengen und bei Bedarf etwas vom Kochwasser hinzufügen, um sie cremig zu binden.
- Mit geriebenem Provolone del Monaco vollenden, einem halbgereiften kampanischen Käse mit leicht pikantem, cremigem Charakter.
- Als Nest angerichtet servieren und mit frischer Zitronenzeste oder einem Minzblatt garnieren.